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Die Problematik beim Aktionärsdarlehen

Der Hauptaktionär bezieht ab seinem Geschäft ein Darlehen über Fr. 100’000. Dieses ist durch einen Vertrag begründet und es bestehen klare Zinsabmachungen und Rückzahlungsvereinbarungen. Sowei so gut. Wo liegen hier die Stolpersteine?

Zum einen handelt es sich faktisch um einen Rückzug des seinerzeit eingezahlten Grundkapitals (Aktienkapital oder Stammkapital), was gegen OR 680 verstösst. Hier hat die Revisionsstelle der Gesellschaft zu prüfen, ob der Schuldner (also der Aktionär) überhaupt in der Lage ist, dieses Darlehen abzusichern und zurückzuzahlen. Sofern eine Rückzahlung als unwahrscheinlich erscheint, kann das Unternehmen unter Umständen als überschuldet gelten und die Anzeige beim Konkursrichter müsste auch von der Revisionsstelle ins Auge gefasst werden.

Zum anderen wird bei solchen Darlehen immer wieder auf der Drittvergleich abgestellt. Dieser Vergleich verlangt bei der Darlehensvergabe nach den gleichen Kriterien, wie sie von einem unbeteiligten Dritten verlangt würden. Das bezieht sich auf die gebotene Sicherheit (Pfandbriefe, Faustpfänder usw), Rückzahlungsmodalitäten und den verlangten Zins. Dabei kann man davon ausgehen, zu welchen Konditionen der Aktionär dieses Darlehen von einer Bank erhalten hätte.

Die häufig geäusserte Meinung, das Geld liege in der Gesellschaft auf einem Bankkonto mit 0,0125 % Zins brach und könne somit problemlos dem Aktionär zu einem Zinssatz von 0,5 % weitergegeben werde, ist allerdings falsch. Als Drittvergleich wird nicht auf die optimale Anlage durch den Geldgeber, sondern auf die Kreditfähigkeit des Darlehensnehmers abgestellt. Also nicht „Wie kann ich mein Geld anlegen“, sondern „Zu welchen Konditionen würde ich ein Darlehen erhalten“.