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Die Sache mit der Revision

Die Kitra Treuhand GmbH als Revisionsexperte, eingetragen im Register der Revisionsaufsichtsbehörde, wird diese Tätigkeit im Jahre 2017 definitiv niederlegen. Die Gründe liegen in der doch sehr queren Bestimmung, dass sich Einzelunternehmer (also Revisionsunternehmen mit nur einem Revisor oder Revisionsexperten) künftig einer externen Ueberprüfung durch ein weiteres Revisionsunternehmen zu unterstellen haben. Und das wollen wir, nach 35 Jahren erfolgreicher Revisionstätigkeit, nicht mitmachen.

… und dann kommt noch die AHV

Seit Inkrafttretung der Unternehmenssteuerreform II wird die Doppelbelastung einer juristischen Person (Steuern beim Gewinn plus Steuern bei der Auszahlung an den Gesellschafter) deutlich abgeschwächt. Durch den Wegfall der AHV (und weiteren Sozialversicherungen) wird die Dividende sogar ausgesprochen attraktiv. Das führt vermehrt bei AHV- oder SUVA-Revisionen zu Diskussionen, ob nun eine einmalige hohe Dividendenzahlung im richtigen Verhältnis zum in diesem Jahr ausbezahlten Lohn steht. Die AHV funktioniert im Nachhinein gerne Dividenden in Lohn um, um dann diesen mit den entsprechenden Prämien belasten zu können.

Gemäss einem Bundesgerichtsurteil vom 8.4.2015 (9C_837/2014) wird nun dieser gesetzeswidrigen Praxis eine klare Absage erteilt.

Dieses Urteil ist aber kein Freibrief zur Kürzung des Lohnes bis ins Unglaubwürdige und Befriedigung des Privathaushaltes mittels übermässigen Dividendenausschüttungen. Wer einen Lohn von Fr. 40’000/Jahr deklariert und sich regelmässig eine Dividende von Fr. 100’000 auszahlt, wird sich kaum auf den Bundesgerichtsentscheid berufen können.

Letztlich sei einmal mehr darauf hingewiesen, dass im Falle eines Unfalles, einer Krankheit oder sogar Invalidität dann eben auch der (zu tief) deklarierte und AHV-abgerechnete Lohn als Basis für die Berechnung von Taggeld oder Rente herhalten muss.

Die Problematik beim Aktionärsdarlehen

Der Hauptaktionär bezieht ab seinem Geschäft ein Darlehen über Fr. 100’000. Dieses ist durch einen Vertrag begründet und es bestehen klare Zinsabmachungen und Rückzahlungsvereinbarungen. Sowei so gut. Wo liegen hier die Stolpersteine?

Zum einen handelt es sich faktisch um einen Rückzug des seinerzeit eingezahlten Grundkapitals (Aktienkapital oder Stammkapital), was gegen OR 680 verstösst. Hier hat die Revisionsstelle der Gesellschaft zu prüfen, ob der Schuldner (also der Aktionär) überhaupt in der Lage ist, dieses Darlehen abzusichern und zurückzuzahlen. Sofern eine Rückzahlung als unwahrscheinlich erscheint, kann das Unternehmen unter Umständen als überschuldet gelten und die Anzeige beim Konkursrichter müsste auch von der Revisionsstelle ins Auge gefasst werden.

Zum anderen wird bei solchen Darlehen immer wieder auf der Drittvergleich abgestellt. Dieser Vergleich verlangt bei der Darlehensvergabe nach den gleichen Kriterien, wie sie von einem unbeteiligten Dritten verlangt würden. Das bezieht sich auf die gebotene Sicherheit (Pfandbriefe, Faustpfänder usw), Rückzahlungsmodalitäten und den verlangten Zins. Dabei kann man davon ausgehen, zu welchen Konditionen der Aktionär dieses Darlehen von einer Bank erhalten hätte.

Die häufig geäusserte Meinung, das Geld liege in der Gesellschaft auf einem Bankkonto mit 0,0125 % Zins brach und könne somit problemlos dem Aktionär zu einem Zinssatz von 0,5 % weitergegeben werde, ist allerdings falsch. Als Drittvergleich wird nicht auf die optimale Anlage durch den Geldgeber, sondern auf die Kreditfähigkeit des Darlehensnehmers abgestellt. Also nicht «Wie kann ich mein Geld anlegen», sondern «Zu welchen Konditionen würde ich ein Darlehen erhalten».

So schlimm kann es enden

Ein Deutscher A fährt mit seinem Auto (Neupreis Fr. 80’000) über die Grenze in die Schweiz und überlässt dort sein Fahrzug einem Bekannten B zu einer Spritzfahrt. Auf dieser Tour wird B von der Polizei angehalten und er kann sich nicht als Halter des Fahrzeuges (in Deutschland immatrikuliert) ausweisen. Die Folgen dieses alltäglich möglichen Falles?

Mit der Weitergabe des Fahrzeuges von A an B wurde dieses in die Schweiz eingeführt. Es fallen Zollgebühren (11 %), Fahrzeugabgaben (8 %) und die MWSt (8 %) an. Die Spritzfahrt kostet A oder B somit Fr. 21’600.

Und damit ist die Sache noch nicht vom Tisch: Das Fahrzeug muss nun bei der Heimkehr von A wahrscheinlich wiederum nach Deutschland verzollt werden. Aber das entzieht sich dann unserer Beobachtung.

Die unangenehmen Pflichten der Revisionsstelle

Sofern eine Firma mehr als die Hälfte des Aktienkapitals und der Reserven als Verlust vortragen muss, muss gemäss Artikel 725 OR Massnahmen zur Beseitigung dieses Kapitalverlustes ergriffen werden. Das ist noch verhältnismässig schwammig. Bei einer eventuellen Verantwortlichkeitsklage wird man aber schon nachweisen müssen, dass geeignete Massnahmen getroffen worden sind.

Sofern das gesammte Aktienkapital und die Reserven durch den vorgetragenen Verlust überdeckt wird, dann besteht eine Ueberschuldung und der Verwaltungsrat (die Geschäftsleitung bei der GmbH) ist nach Artikel 725 Abschnitt 2 OR gezwungen, die Bilanz beim zuständigen Richter zu deponieren. In allgemein verständlichem Deutsch heisst das, dass man mit der letzten Bilanz, welche die Ueberschuldung aufzeigt, beim zuständigen Konkursamt vorsprechen muss.

Unternimmt die Geschäftsleitung (oder der VR) diesbezüglich nichts, ist die Revisionsstelle gezwungen, diesen Vorgang einzuleiten. Dies ist aus mehreren Sichten äusserst unangenehm: Der Revisor hat vielleicht nicht Zugang zu den letzten Akten und/oder wird zu einem späteren Zeitpunkt von der Gesellschaft angegriffen, weil man zu voreilig gewesen sei.